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Ursprünge des Militärischen und Hospitalischen Ordens des Heiligen Lazarus von Jerusalem

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Sowohl Santa Maria Latina als auch St. Johannes standen unter der Leitung lateinischer Mönche (wahrscheinlich Benediktinern). Das „Ensemble" dieser drei Institute bildete das, was man unter dem „Hospital von Jerusalem" verstand.


Jerusalem um das Jahr 1150

Während der Belagerung Jerusalems durch die Kreuzritter im Jahre 1098 war Gérard Tenque, auch Tunc, Turn, Thon oder ähnlich genannt, das Oberhaupt des „Hospitals von Jerusalem"; er wurde später „Meister der Spittler" („Maitre des Hospitaliers") genannt. In ihm sehen die Johanniter ihren Gründer (als Verwalter von Santa Maria Latina), und das Armorial de l'Ordre de Saint Lazare beschreibt ihn in der Liste seiner Großmeister als „Gérard de Thoms, provengal, né dans l'Isle de Martegas". Eugen Vignat schreibt in seinem Standardwerk „Les lepreux et les chevaliers de Saint- Lazare": „Als Gottfried von Bouillon sich der Stadt Jerusalem im Jahre 1098 bemächtigte, war der Franzose Gérard von Martigue schon Meister der Bruderschaft Sankt Lazarus und Verwalter des Spitals Unserer Lieben Frau in Jerusalem ..." Die Gemeinschaft, die das „Hospital von Jerusalem” darstellte, war nicht von Dauer. Bald fand jedes der Spitäler (man ist versucht, an europäisches Spezialistentum zu denken) des lateinischen Königreichs seine eigenen Aufgaben. 1112 gründeten die Hospitaler von Sankt Johannes eine eigene Bruderschaft, deren Regel von Gérard Tenque kam, die Papst Pascalis II., ursprünglich ein Benediktiner aus Cluny, am 15. Februar 1113 bestätigte.

Schon 1121 bildete sich daraus ein militärischer Orden, der unter den illustren Namen der Johanniter, später Rhodesier oder Malteser, in die Geschichte einging.

Die Hospitaler von St. Lazarus, also jene orientalisch-basilianische Gemeinschaft vom „Lazarett", widmete sich weiterhin vornehmlich den Aussätzigen. Im gleichen Maße, da diese schreckliche Krankheit unter den christlichen Heeren um sich griff und immer mehr Ritter befiel, stieg auch die Bedeutung des Lazarusordens, der die Aussätzigen aller Orden in seinen Reihen aufnahm.


Das Königreich Jerusalem und die
anderen Kreuzfahrerstaaten in der Zeit
ihrer größten Ausdehnung um 1135

Im Jahre 1118 war der erste rein militärische Ritterorden der Templer gegründet worden. Schon drei Jahre später, 1121, ziehen die Johanniter unter Raimund von Puy nach. Die „Militarisation" des Lazarusordens geht langsamer und stufenweise vor sich, und auch nicht westlich-dekretistisch, sondern orientalisch- synodal (durch den Zustrom von immer mehr aussätzigen Rittern von anderen Orden her), wie ja überhaupt Geschichte und Charakter des Lazarusordens weniger durch Verordnungen, sondern vielmehr durch Aufnahmebereitschaft, Anpassungsfähigkeit und Duldsamkeit gekennzeichnet sind. So fanden sich im Hause des Lazarusordens zu Jerusalem alle Templer ein, die von Aussatz befallen worden waren — worüber es sogar in der Ordensregel der Templer eine Bestimmung gab. Dort erhielten sie wohl das Ordenskleid der Lazariter, aber naturgemäß hingen sie ihrer eigenen Ordensregel weiterhin an; ähnlich erging es den Lazaritern wohl auch mit den Aussätzigen, die aus anderen Orden kamen; von den anderen Kranken, die keinem Orden angehörten und oft auch verheiratet waren, gar nicht zu reden. Wir dürfen jedenfalls behaupten, daß die „Machtverhältnisse" im Lazarusorden schon damals so wie heute gelagert waren: Die Gewalt lag einesteils beim Generalkapitel (schließlich mußte jeder in dieser bunt zusammen gewürfelten Gemeinschaft von Aussätzigen, Invaliden und Gesunden zu Wort kommen), andernteils beim Ordensoberhaupt, das, einmal gewählt, auch die notwendige Autorität über diesen gewiß außergewöhnlichsten aller Ritterorden besitzen mußte.

Die Mannigfaltigkeit im Ursprung der Mitglieder des Lazarusordens verursachte auch lange Zeit eine gewisse Unsicherheit über den Charakter des Ordens: war der nun lateinisch oder orientalisch, religiös oder weltlich?

Die Zeit der Umwandlung des hospitalischen Lazarusordens in einen militärischen Orden fällt in die Regierungszeit des an Aussatz erkrankten Königs Balduin IV. Nach dem Tod von König Amaury am 11. Juli 1174 kam der dreizehnjährige Balduin — schon damals an Aussatz erkrankt — an die Regierung. Vierundzwanzig Jahre lang litt der König an dieser entsetzlichen Krankheit. Er war stets von Lazarusrittern umgeben. Unter diesem König wurden die heldenhaftesten Schlachten in der Geschichte des fränkischen Syrien geschlagen. In der Schlacht von Montgisard kämpfte Balduin IV. der Aussätzige mit 500 Rittern, 80 Templern und 2500 Mann Fußtruppen gegen die 3000 Mameluken Saladins und errang am 27. November 1177 den schönsten Sieg der Kreuzfahrer. Der Tod König Balduins IV. (im Jahre 1185), dem die Lazarusritter so wie König Ludwig IX. dem Heiligen das ehrendste Gedenken bewahren, führte schon zwei Jahre später zum Verlust der Heiligen Stadt. Am 2. Oktober des Jahres 1187 fiel Jerusalem in die Hände Saladins. Der Eroberer zeigte sich von echt orientalischer Großzügigkeit: Er ließ nicht nur alle Kranken und Armen unentgeltlich frei, sondern spendete aus seinem eigenen Schatz für die Witwen und Waisen der gefallenen Ritter. Dem Spitalsorden aber räumte er eine Frist von einem vollen Jahr ein, um sich in Ruhe und Ordnung aus Jerusalem zurückziehen zu können.

Es scheint, dem Lazarusorden sei der Abzug aus der Heiligen Stadt besonders schwergefallen; jedenfalls blieb er für alle Zeiten bei seiner Bezeichnung als „Orden des Heiligen Lazarus von Jerusalem".

Quelle: Auszug aus dem Werk "Memento", Autor: † Erich Feigl, herausgegeben vom Kanzleramt des Grosspriorates von Österreich des Ordre Militaire et Hospitalier de Saint-Lazare de Jerusalem, Wien, 1978, Seiten 17 bis 20

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Letzte Aktualisierung am 13.08.2015

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